KAPITEL 12 – Digitalisierung – Sicherheit / Smarthome

Zurück zu Hause

Vor inzwischen 6 Jahren, nach einem Einbruch in seine bescheidene Wohnung, hat Ben ein komplettes Home-System angeschafft. Als ausgebildeter Polymechaniker (Techniker) war es Ehrensache, dass er das System selbst ausgewählt, beschafft, installiert und initialisiert hat. Sicherheit ist nach den Finanzkrisen und der weltweiten Währungsreform ein sehr wertvolles Gut. Und die Montage war für ihn ein Kinderspiel – da die einzelnen Systeme immer einfacher werden, muss man diese vielfach nur einstecken und mit dem Haus-Netzwerk verbinden.

Das „Herz“ eines solchen Systems konfiguriert sich dann selbst. Doch dies reichte Ben bei weitem nicht. Deshalb hatte er dennoch einige Tools und das Setup manuell eingestellt. Da er nun schon über 13 Jahren eine eigene Cloud besitzt, die in seinem Netzwerk zu Hause installiert ist, wollte er alle Möglichkeiten nutzen, die sich daraus ergeben. Die eigene Cloud ist etwas ganz Gutes, sofern die Hausnetzwerk-Sicherheit gewährleistet ist. Anstelle eines Cloud-Dienstes (wie Dropbox) befindet sich die eigene Cloud im Besitz des Eigentümers. Bei externen Dienste weiss man ja nicht exakt, wer alles diese Daten betrachtet, nutzt oder sogar weitergibt.

Bei der eigenen Cloud weiss man dies sehr wohl, da man als Besitzer der Cloud selber über die Nutzer bestimmen kann. So lässt sich klar definieren, welche Daten von wem eingesehen, bearbeitet oder verwendet werden können. So hatte Ben seiner Freundin Mia bereits Lese- und Schreibrechte erteilt, damit konnten sie die gegenseitig erstellten Bilder, Fotos, aber auch den Chat miteinander teilen. Dies alles läuft im privaten Bereich ab, ohne dass jemand anderes auf die Daten zugreifen kann. Ausser natürlich jemand, der die private Cloud „hackt“.

Nur schützt sich Ben davor auch bestens, so verwendet er eine Hard- und eine Software-Firewall, die er ungefähr alle 2 Jahre modernisiert. Die Software-Firewall wird sogar beinahe täglich aktualisiert, womit ein nicht autorisierter Zugriff verhindert wird. Manchmal versetzen ihn andere Menschen schon ins Staunen, so gibt es nach wie vor Konsumenten, die sich beinahe in keinster Weise schützen. Da werden weder die Software upgedatet, noch gute und clevere Passwörter verwendet oder andere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Im Gespräch führen solche Konsumenten vielfach an, „ich habe sowieso nichts zu verstecken“, „wenn jemand an die Daten gelangen will, schafft er dies ja sowieso“, „die Daten sind eh verfügbar“ oder weitere solche Halbwahrheiten.

Dabei ist das etwas vom Wichtigsten, alle Daten, persönliche und auch allgemeine Nutzerdaten, so weit wie möglich zu schützen und in einem privaten Bereich zu halten. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie u.a. die Option, „privat“ zu surfen, Tools wie „Cyperghost“ zu nutzen, konsequent https:-Verbindungsprotokolle zu verwenden oder ganz einfach, entsprechende Endgeräte aus dem Internet zu nehmen, d.h. die Verbindung zum Internet zu kappen.

Zurück zum Smarthome von Ben und vielleicht auch von Mia, sofern sie denn je einmal zu ihm in die gleiche Wohnung ziehen wird: Die Smarthome-Funktionalität geht sehr weit, so kann Ben im Supermarkt, wenn er überhaupt jemals noch im Geschäft direkt einkauft, den Inhalt seines Kühlschrankes abrufen (und sieht, bzw. es wird ihm angezeigt, wie viel Milch, Käse, Joghurt oder andere Produkte vorhanden sind. Er kann auch die letzten Bestellungen der Kaffeekapsel abrufen, und direkt auf die Amazon Dash-Funktion zugreifen, d.h., also nicht nur von zu Hause aus an der Kaffeemaschine Ersatzkapseln bestellen, sondern auch von unterwegs aus.

Teilweise hat er gewisse Nachbestellfunktionen automatisiert, d.h., sobald sein Waschmittel ausgeht, erhält er automatisch Ersatz, ohne, dass er etwas unternehmen muss. Dies ist wirklich bequem und er schätzt dies sehr. Bei Lebensmitteln konnte er sich noch nicht dazu durchringen, dies ebenso einzustellen, da er äusserst gerne immer wieder andere Produkte und Produkte unterschiedlichster Qualität einkauft und somit die Abwechslung liebt.

Das Smarthome-System überwacht aber auch jeden autorisierten oder nicht autorisierten Besucher seiner Wohnung. Bei einem nicht gewollten und nicht autorisierten Besucher seiner Wohnung wird automatisch zuerst eine Meldung an ihn abgesetzt. Reagiert er nicht innerhalb von 10 min, dies lässt sich auch auf eine kürzere oder längere Dauer einstellen, so wird danach das diensthabende Neighborhood-Mitglied informiert, d.h., dieses Mitglied kann auf die Daten wie Bilder, Bewegungssensoren, Geräusche oder visuelle Situationspläne zugreifen. Nach 15 min wird automatisch die Polizei informiert.

Seitdem solche Systeme in grosser Anzahl installiert sind, wird beinahe kein Einbruch mehr verzeichnet, da der Aufwand der Einbrecher zum möglichen Ertrag des Diebesguts in keinem Verhältnis steht.

Aber auch alle anderen Geräte und fast das ganze Mobiliar von Ben sind heutzutage miteinander vernetzt, vom Elektrospeicher über die Waschmaschine hin zur Kaffeemaschine, zu den Kochfeldern, zum Mikrowellen-Ofen, zur Licht- und Musiksteuerung, zum Öffnungssystem der Wohnung, zum Wasserverbrauch, zur Kühlung und Heizung der Räume sowie zur Beschattung der Wohnung.

Smart Home

Das intelligente vernetzte Heim wird uns Menschen die Hausarbeit zu einem grossen Teil abnehmen. In Zukunft wird der Wohnungs- bzw. Hausbesitzer von unterwegs aus seine Waschmaschine programmieren und starten, die Kaffeemaschine auf seine Ankunftszeit einschalten lassen, den Staubsauger-Roboter durch die entsprechenden Räume schicken oder die Temperatur der Räume auf seine Ankunftszeit erhöhen.

Die Anwendungen sind dann smart, wenn sie den Menschen einen echten Nutzen bieten, wie z.B. Energieeffizienz oder Sicherheit. Dabei müssen die Anwendungen und die smarten Funktionen sich ins tägliche Leben einfügen. Smart Home-Funktionen sind dabei vor allem auf Effizienz ausgerichtet, z.B. so, dass alle nicht benötigten elektrischen Verbraucher in der Nacht ausgeschaltet sind. Nur der Kühlschrank, die Motoren der Storen, die Überwachungskamera und andere stromführende Verbraucher werden noch mit Strom versorgt. Damit wir den Überblick behalten, steuern wir dies alles mit unseren Smartphones und deren Apps, so kann das Licht gedimmt, ein Notruf abgesetzt, die Musikanlage gesteuert, die Beschattung eingestellt oder die Waschmaschine gestartet werden.

Die digitale Transformation wird uns auch in diesem Bereich viele Erleichterungen bringen und eine effizientere Lebensweise ermöglichen.

Die verschiedenen Systeme verschmelzen immer mehr. Mit der Kamera wird nicht nur der Raum überwacht, vielmehr kann sie auch als aktives Bauteil der Alarmanlage eingesetzt werden, welches bei unberechtigtem Zutritt automatisch Alarm schlägt. Bereits heute sind verschiedene Systeme im Handel (in do-it-your-self-Märkten/ Baumärkten) erhältlich. So lassen sich problemlos Licht, Beschattung, Klima, Heizung, Medien, Kommunikation und Sicherheitssystem steuern. Zudem geht der Trend weg vom Kabel hin zu Funk- oder Bluetooth-Lösungen. In den nächsten Jahren kommen auch die Grossen der Branche ins Spiel. So wird Google mit «Nest»-Thermostaten, Apple mit «Homekit» und Amazon mit der Lauschbox «Echo» auf den Markt kommen. Deckenlampensysteme (mit WLAN) werden gleichzeitig auch als Kamera oder als Smartphone-Ortung fungieren.

Zudem werden vermehrt überall Smartmeter verbaut, welche den Energieverbrauch der einzelnen elektrischen Verbraucher visualisieren und steuern. Dadurch lässt sich Energie sparen, da die elektrischen Verbraucher nur dann Strom beziehen, wenn der Strompreis gerade günstiger ist, so z.B. bei der Ladung des Elektrofahrzeugs. Tesla und digitalSTROM haben in der Schweiz ein eigenes Smart Home-System aufgebaut. Mittels Touchscreen lässt sich alles starten und steuern. Am Hauptsitz von Tesla in Schlieren wurde zudem eine Wohnung gebaut, die als Prototyp dient. Die gesamte Kommunikation läuft darin über das normale Stromnetz. Im Bad werden die Handtücher vorgewärmt, die Wasserstrahlstärke und die Temperatur der Dusche auf den Benutzer abgestimmt, in der Küche wartet das Amazon «Echo»-System auf Befehle … .

Philips: Der Elektronikhersteller hat mit dem System «Philips Hue» ein neues, Smartphone-gesteuertes Haussystem entwickelt, d.h., in Kombination mit dem «Apple HomeKit» lassen sich die Haustüre öffnen und die Lichter automatisch in der Wohnung bzw. im Haus einschalten. In Kombination mit der Sprachassistentin «Siri» kann dies alles auch per Sprache erfolgen, also auf Zuruf. Das «Philips Hue»-System erlaubt zusätzlich die nahtlose Verbindung zu anderen im Netz integrierten Geräten.

Miele: Der Haushaltgeräte-Hersteller hat ebenfalls eine Software entwickelt, welche die Vernetzung der unterschiedlichen Geräte untereinander und zu einem Smartphone ermöglicht. Das System heisst «Miele@home» und erleichtert die Benutzerführung der vernetzten Geräte. Für den Bereich des Kochens wurde von Miele «Con@ctivity 2.0» entwickelt, womit sogar die einzelnen Glaskeramik-Heizflächen gesteuert werden. Die Automation geht noch viel weiter, so wird das Kochfeld überwacht und mit den entsprechenden Informationen, wird die Gebläsefunktion des Dunstabzugs gesteuert. Der Dunstabzug tritt bereits in Funktion, bevor Kochdünste überhaupt entstehen können und sorgt auf diese Weise dafür, dass das Raumklima und die Raumluft stabil bleiben.

Bei den Induktionskochfeldern überwachen Sensoren die Temperatur der Heizfläche, so kann das Kochfeld auch ganz ohne manuelle Regulierung gesteuert werden. Angebranntes Bratgut gehört so der Vergangenheit an. Der Nutzer profitiert von einem einfacheren und entspannteren Kochen. Einige Miele Geräte sind auch mit «M Touch» ausgerüstet: Diese Funktion ermöglicht die Steuerung über den Bildschirm mittels Wischen und Scrollen, identisch mit einem Smartphone. Diese User-Steuerung ist sehr intuitiv zu bedienen.

Weltweit sind im Jahr 2016 bereits rund 6% der Haushaltgeräte vernetzt. Die digitale Transformation wird uns auch in diesem Bereich viele Erleichterungen bringen und eine effizientere Lebensweise ermöglichen.

Haus-Automation

Das Lausanner Start-up entwickelte für den Bereich Haus/Wohnung/Haushalt einige interessante zusätzliche Funktionen, die dem Nutzer die Steuerung seiner Behausung mittels Tablet oder Smartphone ermöglichen. Zusätzlich kann der Nutzer Verbrauchsinformationen seiner Wohnung abrufen oder Informationen mit seinen Nachbarn teilen.